Streckengeschichte

Geschichte der BGh-Linie

Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die Forderung der Industrie immer lauter, das östliche und westliche Eisenbahnnetz Sachsens miteinander zu verbinden. Dabei entstand über die Streckenführung von Freiberg nach Chemnitz ein heftiger Streit. Es standen 3 Varianten zur Diskussion: zum einen die nördliche Variante über Hainichen/Frankenberg, die mittlere über Oederan/Flöha und die südliche über Brand/Großhartmannsdorf/Flöha. Schließlich setzte sich die mittlere Variante durch, sie wurde dann 1869 baulich fertig gestellt.

Bahnhof Föha; Foto: Sammlung Eisenbahnverein Langenau e.V.

Die Brander Hoffnungen wurden damit zerschlagen. Vor der Jahrhundertwende stieg aber der Güter- und Reiseverkehr durch die gewachsene Industrieproduktion stark an. Die bereits existierenden Bahnanlagen, so auch die seit dem 02.11. 1875 bestehende Bahnstrecke Freiberg – Berthelsdorf – Holzhau, brachten kaum Vorteile, da die Ortschaften weit entfernt im bergigen Hinterland lagen.

Bahnhof Holzhau; Foto: Sammlung Eisenbahnverein Langenau e.V.

Im November 1881 beantragten interessierte Gemeinden und Gewerbetreibende beim sächsischen Landtag den Bau einer Strecke von Berthelsdorf nach Eppendorf über Brand, Langenau und Großhartmannsdorf.

Bahnhof Brand i. Sa.; Foto: Sammlung Eisenbahnverein Langenau e.V.

Am 22.12.1887 und am 25.01.1888 beschlossen die beiden Kammern des sächsischen Landtages endlich den Bau einer regelspurigen Secundärbahn von Berthelsdorf über Brand nach Großhartmannsdorf mit Abzweig nach Langenau in Brand. Am 28.12.1888 bzw. am 21.02.1889 wurden die Verordnungen zum Bau und Betrieb der Strecken nach Langenau bzw. Großhartmannsdorf erlassen.

Bahnhof Langenau um 1905; Foto: Sammlung Heimatverein Langenau 1185 e.V.

Am 13.07.1890 fuhr 2 Tage vor der offiziellen Betriebseröffnung der BGh-Linie am 15.07. ein „Fest-Extrazug“ der Königlich-Sächsischen Staatseisenbahnen, der von ca. 250 Personen (Vertreter der Staatsbehörden und Körperschaften) benutzt und vom sächsischen Finanzministerium unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. In einem Gedicht, das anlässlich der feierlichen Einweihung der Eisenbahnlinie am 13.07. verfasst wurde, hieß es optimistisch:

„Das ist der Lauf der neuen Bahn, die wir so froh begrüßen.
Drum lasst uns heut’ das frohe Fest so recht genießen.“

Als Bahnbauten waren in Langenau das Empfangsgebäude, ein angebauter Güterboden und ein einständiger Lokschuppen samt Wasserkran sowie eine Gleiswaage, ein  Waschhaus und ein Freiabort vorhanden.

Bahnhof Langenau um 1906; Foto: Sammlung Heimatverein Langenau 1185 e.V.

Auf dem Bahnhof Langenau (Sachs) herrschte nach der Eröffnung große Geschäftigkeit. Allein vom 15.07 bis zum 31.12.1890 fuhren 8.861 Personen von Langenau weg und kamen 10.002 Personen in Langenau an. Im gleichen Zeitraum kamen 3.230 Tonnen Fracht an und 333 Tonnen verließen den Bahnhof. 1.500 Tonnen Kohle wurden in dieser Zeit mit der Hand ausgeladen.

Das Frachtaufkommen wurde durch die aufblühende Industrie des Ortes in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg immer höher, sodass 1911/12 die Bahnhofsbauten beträchtlich erweitert werden mussten. Die Fläche des Güterbodens wurde durch Anbau verdoppelt. Das Empfangsgebäude wurde für eine zweite Dienstwohnung aufgestockt und um einen Wartraum erweitert. Die geplante Erweiterung der Gleisanlagen konnte aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nicht durchgeführt werden und wurde auch später nicht nachgeholt.

Bahnhofshotel Langenau; Foto: Sammlung Heimatverein Langenau 1185 e.V.

Zum Einsatz kamen zunächst sächsischen Lokomotiven der Baureihe VII T, gefolgt von den Baureihen III b T und später V T.

Lokschuppen Langenau um 1940; Foto: Sammlung Heimatverein Langenau 1185 e.V.

Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten die Weinholdschen Schmiedewerke in eigener Regie eine Steinrampe zur Verladung von Schmiedestücken. Des Weiteren wurde vom gleichen Unternehmen eine Krananlage für den Umschlag schwerer Schmiedestücke gebaut, die in den 1960er Jahren einer neuen Halle des Agrochemischen Zentrums weichen musste.

Lok 91 791 mit Langenauer Eisenbahnern am 25.05.1937; Foto: Sammlung Eisenbahnverein Langenau e.V.

Nun fuhren Lokomotiven der Baureihe 91.3 (ex pr. T 9.3) und Einheitslokomotiven der BR 86. Ab und zu kam auch die BR 38 (ex sächs. XII H 2) zum Einsatz.

Haltepunkt Erbisdorf 1901; Foto: Sammlung Eisenbahnverein Langenau e.V.

Bereits zu Beginn der 1950er Jahre wurden der Lokschuppen und der Wasserkran abgebrochen. Am 31.05.1969 endete der planmäßige Einsatz von Dampflokomotiven (BR 86), fortan fuhren Dieselloks der Baureihe V 100 (BR 110). Auf der Zweigstrecke Brand-Erbisdorf – Großhartmannsdorf fuhr bereits am 02.12.1973 der letzte Zug.

Bahnhof Großhartmannsdorf; Foto: Sammlung Eisenbahnverein Langenau e.V.

Aus Anlass des 100. Jahrestages der Streckeneröffnung veranstalteten die Deutsche Reichsbahn und Eisenbahnfreunde aus der Region vom 14. bis zum 20.07. 1990 eine Festwoche, zu der z.B. eine Lokomotivausstellung (u. a. mit der „Saxonia“), Führerstandsmitfahrten mit der 89 6009 und eine Sonderfahrt mit dem Veltener Traditionszug stattfanden.

86 440 in Langenau (Sachs), 1962; Foto: Günter Kielstein

Der bis zur Wende rege Reise- und Güterverkehr erlebte nach 1990 einen kräftigen Einbruch. Die Zunahme des Individualverkehrs, die Verlagerung von Transporten auf die Straße und nicht zuletzt die Schließung mehrer wichtiger Betriebe ließen die Bedeutung der Strecke Brand-Erbisdorf – Langenau (Sachs) – wie die vieler anderer Nebenbahnen – schnell schrumpfen.

Eisenbahnunglück zwischen Großhartmannsdorf und Müdisdorf, 29.09.1923 gegen 16.00 Uhr

Der letzte Güterwagen wurde in Langenau am 19.12.1994 abgefertigt, Empfänger war die LDH. Der Personenverkehr konnte sich noch etwas länger halten, aber zum 01.06.1997 wurde der Personenverkehr von Berthelsdorf nach Langenau eingestellt, sodass am 31.05. der letzte Zug  Langenau verließ. Die Bevölkerung nahm mit 2.000 Gästen im Rahmen eines von den Langenauer Eisenbahnfreunden veranstalteten Bahnhofsfestes Abschied von der Eisenbahn. Wieder wurde ein Gedicht verfasst, in dem es diesmal aber melancholisch hieß:

„Ein Bahnfreund steht am Wegesrand, blickt traurig auf die Gleise,
der Zug, der eben noch verschwand, macht nie mehr diese Reise.“

Als der letzte Zug laut und anhaltend pfeifend den Bahnhof verließ, standen so manchem gestandenen Eisenbahner die Tränen in den Augen…

Langenauer Bürger verabschieden sich am 31.05.1997 vom Eisenbahnverkehr nach Langenau (Sachs); Foto: Sammlung Eisenbahnverein Langenau e.V.

Vom 28.08.1997 bis zum 23.05.1998 wurde der Personenverkehr zwischen Berthelsdorf und Brand-Erbisdorf kurzfristig noch einmal aufgenommen. Heute wird der Bf. Brand-Erbisdorf nur noch sporadisch von Güterzügen angefahren.

Die BGh-Linie auf Sachsenschiene

Bahnhofsvorsteher Walter Hiller

Kürzlich erreichten uns Informationen über den ehemaligen Langenauer Bahnhofsvorsteher Walter Hiller und dessen Frau Dora sowie einige Fotos. Walter Hiller war vom 01.02.1931 bis zum 30.06.1934 in Brand-Erbisdorf als Reichsbahnassistent beschäftigt und hatte vom 01.10.1939 bis zum 30.09.1939 den Posten als Bahnhofsvorsteher in Langenau (Sachs) inne. Vielen Dank an Herrn Reinhard Hiller!

Walter Hiller, Bahnhofsvorsteher des Bahnhofes Langenau (Sachs), ganz rechts, während des Aufmarsches zum Langenauer Heimatfest, 1937; Foto: Reinhard Hiller
Dora Hiller, Ehefrau des Bahnhofsvorstehers Walter Hiller, aus dem Fenster der Küche der unteren Dienstwohnung des Bahnhofs Langenau (Sachs) schauend, ca. 1935; Foto: Reinhard Hiller
Reinhard Hiller, geboren 1935 auf dem Bahnhof Langenau (Sachs) in der Dienstwohnung des Bahnhofsvorstehers Walter Hiller, ca. 1938; Foto: Rinhard Hiller

38 312

38 312 in Langenau (Sachs), 1962; Foto: Günter Kielstein